Feste in China

8 Dinge, die das chinesische Neujahrsfest einzigartig machen

Das chinesische Neujahrsfest umfasst die buntesten und spannendsten Feierlichkeiten, die man in diesem Land erleben kann. 

Warum aber feiern die Chinesen erst ein paar Wochen nach unserem Silvester? Im traditionellen chinesischen Kalender gibt es sowohl ein Sonnen- als auch ein Mondjahr. Ein Mondjahr hat 12 Mondmonate, die immer mit dem Neumond beginnen. Das chinesische Neujahr fängt mit dem zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende an – dieses Jahr ist es der 28. Januar. Das Fest dauert traditionell 15 Tage. Die Vorbereitungen gehen aber schon lange vorher los. Wir haben für euch die acht Dinge zusammengestellt, die das Fest so faszinierend machen:

1. Die glückbringenden Rituale

Um im neuen Jahr besonders viel Glück zu haben, gibt es viele Rituale, die du zum chinesischen Neujahrsfest begehen kannst.

  • Öffne alle Fenster und Türen, um das Glück hereinzulassen.
  • Putze deine Wohnung und poliere dein Geschirr. So schaffst du in deiner Wohnung Platz für neues Glück.
  • Lass in der Nacht das Licht an. So findet das Glück den Weg zu deinem Haus und böse Geister werden abgeschreckt.
  • In der Nacht zum neuen Jahr geht niemand früh ins Bett – denn wer in dieser Nacht nicht schläft, hat ein langes Leben. Diese Tradition heißt "shou sui" (守岁).
  • Kaufe dir während der Neujahrestage keine neuen Schuhe! Das bringt Unglück. Schließlich klingt das Wort Schuh (鞋子, xiezi) fast gleich wie das Wort für schlecht, böse und ungesund (邪, xie).
  • Die Haare solltest du dir auch nicht schneiden lassen. Das Wort Haar (髮/发, fà) ist dem Wort Glück (發/发, fā) sehr ähnlich. Und dein Glück würdest du dir ja auch nicht wegschneiden!

2. Das leckere Essen

Vielseitig, lecker und vor allem reichlich: Das Essen zum chinesischen Neujahrsfest ist einfach umwerfend. Es gibt auch nicht irgendwas: Viele Speisen haben eine traditionelle Bedeutung.

Der Küchengott Zao Jun (灶君) ist der wichtigste der Hausgötter. Sieben Tage vor Beginn des neuen Jahres besucht er den Jadekaiser, um ihm von allem zu berichten, was sich unter dem Dach der Familie abgespielt hat. Damit er nur gute Dinge berichtet – oder um ihm damit den Mund zuzukleben – opfert man Zao Jun in China süße Speisen.

Weil das chinesische Wort für „Fisch“ (鱼) genau wie das chinesische Wort für „Überfluss“ oder Wohlstand (余) klingt (yu), wird er nie komplett aufgegessen. Nudeln stehen für ein langes Leben, Mandarinen und Orangen sind Symbole für Glück und Fülle. In Nordchina sind Jiaozi (饺子, Teigtaschen mit Gemüse und Fleisch oder Garnelen) sehr beliebt, von denen du eine gerade Zahl essen solltest. In ländlichen Regionen opfern die Menschen zuerst eine Schüssel Jiaozi auf einem Altar den Göttern. Als nächstes bekommt das Vieh seine Portion, und erst dann gibt es Jiaozi für die Familie.

3. Die eindrucksvollen Farben

In China ist Rot die beliebteste Farbe. Sie symbolisiert Glück, Freude und alles Positive. Beim chinesischen Neujahrsfest ist alles rot! Jede Straße, jedes Haus wird in den Tagen vor dem Fest dekoriert – mit roten Laternen, Girlanden und Blumen. 

Jeder trägt neue, rote Kleidung, die im alten Jahr gekauft wird. An den Türen hängen Duilian (对联), auf rotem Papier verewigte Gedichte. Ganz besonders beliebt sind die Hongbao (红包): rote Briefumschläge voller Geld, die an Kinder und Unverheiratete verschenkt werden. 

Kombiniere Rot und Gold, um Wohlstand und Fortschritt zu erreichen. Wenn du beim chinesischen Neujahrsfest alles richtig machen möchtest, vermeide die Unglücksfarbe Schwarz und die Beerdigungsfarbe Weiß!

4. Die fantastischen Löwen- und Drachentänze

Die Drachen- und Löwentänze finden bei Paraden und Straßenfesten statt. Es gibt sie seit Tausenden von Jahren und man kann sich einfach nicht daran satt sehen. 

Der Glückslöwe Ruishi (瑞士) wird meistens von zwei Personen zu Trommelmusik getanzt. Die Abfolgen sind recht kompliziert und werden in Löwentanz-Schulen gelehrt. Ein Drache ist etwa 25 bis 30 Meter lang. Je länger ein Drachentanz dauert, desto mehr Glück bringt er den Zuschauern.

5. Die faszinierende Mythologie

Laut der chinesischen Mythologie lebt das Monster Nianshou (年兽) im Meer oder in den Bergen. Nach seinem Winterschlaf, um die Zeit des chinesischen Neujahrsfestes, kommt es aus seinem Versteck, um Menschen – und vor allem Kinder – zu fressen. Das Biest hat allerdings Angst vor der Farbe Rot und lauten Geräuschen. Deshalb zünden die Menschen beim traditionellen „guonian“ (过年, Vertreibung des Jahresmonsters) Feuerwerke und Böller und dekorieren alles in Rottönen.

Im chinesischen Kalender werden die Jahre nicht durchnummeriert. Stattdessen steht jedes neue Jahr im Zeichen eines anderen Tieres. Diese Tiere sind Ratte, Büffel, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Schaf, Affe, Hahn, Hund und Schwein – und nach zwölf Jahren geht es wieder von vorn los. Zusätzlich wird jedem Tier ein Element aus der Fünf-Elemente-Lehre Holz, Feuer, Erde, Metall oder Wasser zugeordnet. Am 28. Januar 2017 beginnt das Jahr des Feuer-Hahns. 

6. Die bunten Lichter

Großstädte werden zum chinesischen Neujahrsfest meist in ein Meer von Lichterketten und Laternen getaucht. Außerdem ist es überall zu dieser Zeit sehr laut – schließlich muss das Monster Nianshou vertrieben werden. Deshalb finden jedes Jahr riesige Feuerwerke statt. In den Straßen knallen die Menschen oft mit Böllern. Das ist aber nicht überall in China erlaubt. 

Das Laternenfest läutet das Ende der Neujahrsfeiern ein. Am 15. Tag werden meist rote Laternen in den Nachthimmel entlassen. Manchmal sehen sie aus wie Tiere oder Fabelwesen und haben Szenen aus alten Geschichten oder Gedichte aufgemalt. Oft enthalten die Darstellungen auch Rätsel. Das begeistert vor allem die Kinder, die Geschenke bekommen, wenn sie richtig geraten haben. 

7. Die rauschenden Familienfeste

Das besinnliche Beisammensein mit der Familie hat beim chinesischen Neujahrsfest oberste Priorität. Deshalb geht in den Tagen und Wochen davor ein mächtiger Ruck durch das Land: Die größte jährliche Migrationsbewegung der Welt beginnt. Millionen von Chinesen nehmen überfüllte Züge, Flugzeuge und Straßen sowie horrende Reisekosten in Kauf, um rechtzeitig in ihre Heimatorte zurückzukehren. 

Im Kreise der Familie wird der letzte Tag des Jahres bei einer üppigen Mahlzeit verbracht. Hinter-her spielt man und bleibt zusammen so lange wie möglich auf. Am Neujahrstag ist es Brauch, die Eltern mit einem Neujahressegen und einem Kompliment zu begrüßen. 

Ehepaare besuchen meist zuerst die Familie des Mannes. Erholung und Wiedersehensfreude stehen an diesen Tagen an erster Stelle – allerdings steht ab dem dritten Tag öfter mal „chikou“ (赤口, Streit) an, wenn auch die entfernten Verwandten besucht werden.

8. Die weltweite Verbreitung

In Ostasien, also in China, Korea, der Mongolei, Okinawa, Taiwan und Vietnam, ist das chinesische Neujahrsfest am präsentesten. Doch auch überall sonst, wo viele Chinesen wohnen, feiern sie das chinesische Neujahrsfest. In Asien zum Beispiel auch in Thailand, Singapur, Malaysia, Indonesien und auf den Philippinen. Genau wie innerhalb von China unterscheiden sich die Traditionen weltweit.

Ausgewanderte Chinesen in Übersee, die es nicht nach Hause schaffen oder in China keine Familie mehr haben, dürfen sich oft auch in den westlichen Ländern an den Feierlichkeiten erfreuen. In San Francisco ist das chinesische Neujahrsfest regelmäßig die größte asiatische Veranstaltung der USA. Dort steht die Parade im Vordergrund, die Ballons, Umzugswagen, Kostüme, Akrobaten, Löwen, Drachen und Feuerwerkskörper zu einem berauschenden Fest vereint. Weitere große Feste finden in den Chinatowns in New York, London und Sidney statt. Auch in Deutschland lohnt es sich, in den lokalen Veranstaltungskalender zu schauen – falls ihr es nicht rechtzeitig nach China schafft.